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Eigenes Webradio starten – Schritt für Schritt
Ein eigenes Webradio ist schneller gestartet, als viele denken. Du brauchst einen PC, eine Sende-Software, einen Streaming-Server – und Musik, die du senden darfst. Diese Anleitung zeigt dir den ganzen Weg, vom ersten Titel bis zum ersten Hörer.
1. Was du brauchst
- Einen Windows-PC (Windows 10 oder 11). Für den Anfang reicht ein normaler Rechner – für 24/7-Betrieb ist ein eigener, sparsamer PC ideal.
- Eine Playout-Software, die Musik abspielt, überblendet und den Stream erzeugt – z. B. Broadora.
- Einen Streaming-Server, der deinen Stream an die Hörer verteilt (Icecast oder Shoutcast).
- Ein Mikrofon, wenn du moderieren möchtest. Ein USB-Mikrofon genügt für den Start.
- Internet mit mindestens 1 Mbit/s Upload. Dein PC schickt den Stream nur einmal zum Server – egal wie viele Hörer zuhören.
2. Streaming-Server: Icecast oder Shoutcast
Deine Hörer verbinden sich nicht mit deinem PC, sondern mit einem Streaming-Server. Dein PC schickt den Stream dorthin, der Server verteilt ihn an alle Hörer. Es gibt zwei verbreitete Systeme:
- Icecast 2 – frei, quelloffen und weit verbreitet. Läuft auf jedem Linux-Server oder wird von Stream-Hostern fertig angeboten.
- Shoutcast – ebenfalls verbreitet, vor allem bei klassischen Webradio-Hostern.
Für den Anfang ist ein gemieteter Stream-Server am einfachsten: Du bekommst Adresse, Port und Passwort und musst nichts selbst installieren. Wichtig ist die Zahl der gleichzeitigen Hörer („Slots“) und die Bitrate. Für Musik sind 128 kbps MP3 ein guter Startwert.
3. Sende-Software einrichten
Die Playout-Software ist das Herz deines Senders. Sie spielt die Musik ab, blendet über, startet Jingles und schickt alles als Stream zum Server. Mit Broadora geht das so:
- Konto anlegen und Broadora installieren. Kostenloses Konto erstellen, E-Mail bestätigen, Broadora herunterladen und mit dem Konto anmelden.
- Musikordner einlesen. In der Musikdatenbank deinen Musikordner hinzufügen. Broadora liest Titel, Künstler und Länge aus und gleicht die Lautheit automatisch an (EBU R128) – kein Titel ist plötzlich lauter als der andere.
- Stream eintragen. Unter Streaming Servertyp (Icecast oder Shoutcast), Adresse, Port, Mountpoint und Passwort deines Stream-Servers eintragen, Bitrate wählen, verbinden. Broadora braucht dafür keine Zusatzsoftware.
- Ausgabe prüfen. In der Kopfzeile siehst du, ob der Stream läuft, wie lange du sendest und wie viele Hörer zuhören.
- Auf Sendung gehen. Titel in die Playlist ziehen und starten – oder die Automation einschalten.

4. Musik und Jingles
Ein Sender klingt erst mit Jingles und Station-IDs wie ein echtes Radio. Lege sie auf die Cartwall – dann startest du sie per Klick oder mit F1 bis F12, parallel zur Musik. Sortiere deine Musik in Kategorien (z. B. Hits, Neuheiten, Oldies), damit die Automation später daraus eine abwechslungsreiche Stunde bauen kann.
Tipp: Setze bei deinen Titeln Mix-Punkte, damit Übergänge nahtlos klingen. Broadora erkennt Stille am Anfang und Ende automatisch, im Cue-Editor kannst du jeden Übergang fein einstellen.
5. Rund um die Uhr senden
Niemand moderiert 24 Stunden am Tag. Damit dein Sender auch nachts läuft, brauchst du eine Automation: Die Software plant die Musik selbst nach festen Regeln.
- Sendeuhren legen fest, wie eine Stunde aufgebaut ist – z. B. Station-ID, zwei Hits, ein Neuheit, Jingle …
- Ein Wochenplan verteilt verschiedene Sendeuhren auf Tage und Uhrzeiten (Morgenshow, Abendprogramm, Nacht).
- Künstler- und Titelsperren sorgen dafür, dass sich nichts zu schnell wiederholt.
- Zeitgesteuerte Events spielen Nachrichten pünktlich zur vollen Stunde.
- Absturzsicherung und Stille-Erkennung halten den Sender auch bei Problemen auf Sendung.
Wenn du live moderierst, schaltest du einfach in den Live-Assist-Modus und danach wieder zurück auf Automation.
6. GEMA, GVL und Rundfunkrecht
Wer in Deutschland öffentlich Musik streamt, braucht dafür eine Lizenz – auch als kleines, privates Webradio. Zuständig sind die GEMA (für Komponisten und Texter) und die GVL (für Interpreten und Labels). Für Webradios gibt es eigene Tarife; informiere dich vor dem Start direkt bei den Verwertungsgesellschaften über die aktuellen Bedingungen.
Eine Zulassung als Rundfunkprogramm brauchen kleine Webradios in der Regel nicht: Programme mit durchschnittlich weniger als 20.000 gleichzeitigen Hörern sind nach dem Medienstaatsvertrag zulassungsfrei. Ein Impressum auf deiner Webseite brauchst du trotzdem.
Für die Meldung an GEMA und GVL brauchst du eine Liste der gespielten Titel. Broadora schreibt dafür ein Sendeprotokoll (ab Pro) und erstellt mit Max die fertige Auswertung.
Dieser Abschnitt ist ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung.
7. Hörer gewinnen
- Webseite mit Player: Binde deinen Stream auf deiner Webseite ein und zeige an, was gerade läuft. Broadora kann den aktuellen Titel als Datei, an eine Webseite oder an TuneIn senden.
- Radioverzeichnisse: Trage deinen Sender in Verzeichnisse wie radio.de, TuneIn oder Radio-Browser ein. So finden dich Hörer über Apps und Smart Speaker.
- Feste Sendezeiten: Eine regelmäßige Live-Show bindet Hörer stärker als reine Musik.
- Community: Discord, Social Media und Hörerwünsche machen aus Zuhörern Stammhörer.
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